Wir wollen keine olympischen Spiele in Dortmund. Wieso? Das lest ihr hier:
Nachhaltigkeit
Wir leben in Zeiten einer multiplen ökologischen Katastrophe. Dieses Megaevent würde durch den Bau neuer Strukturen weiter Lebensraum zerstören, Reiseemissionen von Tourist*innen verursachen, und enorme Massen an Energie verschlingen. Das sollten wir einfach nicht machen. Dieses Megaevent bedeutet auch keine nachhaltige Entwicklung. Berichte über die Spiele in Paris haben gezeigt, wie sehr Ökologie als eine Marketing-Masche benutzt wird, viel mehr, als alles andere.
Transfeindlichkeit und Ableismus
Dazu kommt, dass trans Menschen systematisch von den Olympischen und Paralympischen Spielen ausgeschlossen werden: Seit jeher gibt es nur die weibliche und die männliche Kategorie bei den Spielen, sodass nichtbinäre Athlet*innen oder allgemein Menschen, die nicht in eine der Kategorien einzuordnen sind, von Anfang an unerwünscht waren.
Gerade erst hat das Olympische Komitee (IOC) eine Regelung eingeführt, bei der ein Chromosomen-Test auf das y-Chromosom bei allen Athlet*innen durchgeführt werden muss, die in der Frauen-Kategorie starten. Faktisch bedeutet das, dass trans Frauen und viele inter Frauen von den Spielen ausgeschlossen werden.
Den Aussagen des IOC nach, weist ein y-Chromosom darauf hin, dass es sich bei den Personen dann um „biologische Männer“ handelt und dass „biologische Frauen“ davor geschützt werden müssen, in einem Wettbewerb mit ihnen anzutreten. Angeblich, um „die Menschenwürde, die physische und psychologische Gesundheit, das Wohlergehen und die Sicherheit“ der Athlet*innen zu schützen.
Für Menschen, die Hormone nehmen, gibt es auch Probleme, denn Spironolacton und Testosteron sind kontrollierte Substanzen, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verboten werden. Um trotzdem teilnehmen zu können, muss eine Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) beantragt werden, in der die „Krankheit“, die zur Einnahme von Hormonen führt, detailliert und mit Beweisen durch behandelnde Ärzt*innen ausgebreitet wird.
Ein weiteres, massives Problem ist die Behandlung der Paralympischen Spiele, die weitaus weniger Aufmerksamkeit durch Fernsehübertragungen und Medien und vor allem Sportförderung bekommen und bei denen in der Berichterstattung auch oft der Fokus darauf liegt, wie schön es sei, dass behinderte Menschen „überhaupt“ diese Chance hätten. Ein Blick auf die offiziellen TikTok-Accounts @olympics und @paralympics zeigt schon, dass beim ersten der Fokus auf den Sport liegt und beim zweiten der Fokus auf fragwürdiger „Comedy.“ Wer sich den Tag ruinieren will, kann diesen Vergleich selbst mal anstellen.
Geldverschwendung
An allen Ecken fehlt Geld. Schulen bröckeln auseinander, Wohnungslosigkeit, Aufnahmestopp bei den Tafeln, alles geht den Bach runter, aber für so einen Quatsch ist dann Geld da? Wir wissen, dass Haushaltsplanung nicht so funktioniert, und nicht mehr Geld für Soziales kommt, wenn die Olympiade nicht im Ruhrgebiet stattfindet. Und dennoch fühlen wir uns als armer Teil der Gesellschaft verhöhnt, wenn Leute auf der Straße schlafen müssen oder sogar vertrieben werden, während im Stadion die Goldmedaillen überreicht werden. Für uns wird hier offensichtlich, wie Staat und Kapitalismus darin versagen uns als breite Gesellschaft ausreichend zu versorgen und stattdessen unglaubliche Ressourcen in irgendwelche Konkurrenzspielchen mit anderen Staaten zu stecken. Wir wollen uns den Staat nicht mehr leisten. Wir wollen ein gutes Leben für alle, und nicht die Spiele einiger reichen Nationen.
Kontrolle, Polizei und Vertreibung von armen Menschen
Und dann können wir uns noch auf die ganze Zeit Schikane einstellen, dass die ganze Zeit irgendwo was gesperrt ist, und wir noch mehr als sonst kontrolliert werden. Genauso stellen wir uns als ärmerer Teil der Bevölkerung darauf ein, dass wir von unseren gewohnten Treffpunkten und Orten vertrieben werden, weil wir, wie wir nun mal sind nicht in das ordentliche und saubere Stadtbild passen, dass sie gerne hätten. Wir gehen deshalb auch davon aus, dass besonders für obdachlose und wohnungslose Menschen, die Spiele zum Desaster werden.
Langfristig könnte die Aufwertung bestimmter Innenstadtbereiche, dazu führen, dass wir uns Dortmund nicht mehr leisten können und von den Orten, an denen wir seit Jahren leben wegziehen müssen.
Rassistisches Komitee
Das Olympische Komitee hat immer wieder die Entscheidungen getroffen, rassistische Unterdrückung zu unterstützen oder auszuüben. Beispiele sind:die Olympische Spiele in Deutschland 1936, Aneignung von indigener Symbolik und Olympische Spiele gesponsert von Öl Firmen, die auf gestohlenem indigenen Land bohren. Japanische Sportlerinnen zuzulassen die sich mit der „Flagge der aufgehenden Sonne” schmücken, die von ehemals von Japan besetzten Ländern als Symbol japanischen Imperialismus verstanden wird und Anthropology Games, ein Nebenevent der Olympischen Spiele, bei denen verschiedene indigene Gruppen antreten mussten um von Anthropologen beobachtet zu werden sind weitere Beispiele.
Missbrauch und Ausbeutung
Seit Jahren wird verstärkt diskutiert, dass Leistungssport ein enormes Problem mit Missbrauch und der emotionalen wie physischen Sicherheit der Athlet*innen hat. Wir denken, dass das ein strukturelles Problem ist und maßgeblich durch die Hierarchien in Form von Kadern, Auswahl, Wettkampf und Lohnabhängigkeit erzeugt wird. Olympia ist nicht reformierbar, sondern Teil des Problems. Wer gerne Sport macht, soll machen, gerne auch im internationalen Austausch, aber dass Athlet*innen so unter Druck gesetzt werden um interessante Unterhaltung zu bieten, halten wir für falsch.
Die ganze Veranstaltung kann auch nur statt finden unter der Ausbeutung von unbezahlter Arbeit von tausenden von Freiwilligen, diese geben an: „Neben der Uniform bekommen wir lediglich eine warme Mahlzeit an unseren Einsatztagen.“
Juckt
Insgesamt, ist das eh viel zu viel Geld dafür, dass kein Mensch sich für Olympia interessiert. Die haben ja die Mindestwahlbeteiligung beim Volksentscheid schon extrem niedrig bei 10 % angesetzt. Das zeigt ja auch, wie es halt wirklich keinen interessiert, und in der breiten Bevölkerung keinerlei Bedarf da ist für diese Spiele. Anmerkung: Manche von uns fänden es doch recht interessant und spannend das mitzubekommen.
Nationalismus
Wir wollen keinen Nationalismus, wir sind Menschen, egal ob Rumän*innen, Deutsche oder US-Amerikaner*innen. Olympia ist ein staatlich-nationalistisches Konzept, das genau diesen Nationalismus befeuert und regelmäßig Spielball von Machtpolitik ist. Deutschland will sich als „gute Demokratie“ darstellen. Das kann nicht verstecken, dass ein enormer Kontroll- und Gewaltapparat diese Nation erst möglich macht. Zu sehen ist die Verschränkung von olympischen Spielen und Staat auch an der Teilnahme von Polizei-, Bundeswehr- und Zollkräften. Die spiele sind also weit davon entfernt eine zivile Veranstaltung zu sein.
Wir wollen Nationalismus, Ausgrenzung und diesen staatlichen Hype nicht unterstützen. Deshalb lehnen wir die olympischen Spiele ab und gegen Leistungslogik sind wir ja eh.
Autoritärer Zirkus
Die autoritären Züge innerhalb der olympischen Spiele zeigen sich auf vielen Ebenen. Die staatliche Form zeigt sich schon darin, dass es ein Kampf zwischen National-Teams und in Konkurrenz zueinander um den Medaillenspiegel ist. Hier findet sich die Logik von Staaten, die gegeneinander Krieg führen um die Herrschaft zu übernehmen wieder. Genauso wird eine entsprechende Massenrhetorik in der Werbung benutzt, wie sie sich gerne in autoritären Bewegungen wiederfindet. So redet die Kampagne für Olympia zum Beispiel von Zuschauerrekorden in der Rhein Ruhr Region. Wo Menschen ihre Individualität verlieren und zur Masse werden ist der Schritt zu weitergehenden Entmenschlichungen nicht mehr weit. Als Masse werden wir zu einem Mittel gemacht, um die Großartigkeit der Veranstalter*innen zu repräsentieren. Genauso ist in die Olympiade die Asymmetrie zwischen Zuschauer*in und Athlet*in faktisch eingeschrieben. Es ist also ein anti-demokratische Veranstaltung, da wir nur als passive Zuschauende teilnehmen können, und keinerlei Möglichkeit haben, uns irgendwie relevant oder sinnstiftend zu beteiligen. Ähnliches Problem sehen wir übrigens bei den Parlamentswahlen. Das Gefälle zwischen passiven Zuschauer*innen und aktiven Athlet*innen wird also zementiert.
Einnahmen für den Arsch
Immer hören wir: „Die Einnahmen übersteigen die Ausgaben“ Was für Einnahmen? Die Betreiber von Wurst-Willi und Crepe-Moni machen vielleicht mehr Gewinn am Ende des Monats, aber sowohl mein Bürgergeld bleibt gleich, wie die Rente vom Heinz, wie auch das Gehalt vom Michi und der Bärbel, die beim Stand von Wurst-Willi und Crepe-Moni arbeiten. Also Einnahmen, für die Stadt vielleicht oder die Besitzenden. Aber was bringt’s uns? Gar nichts!
Resümee
Klingt für uns nach einer Lose-Lose Situation. Deshalb Olympia? Nein! Nein!
